zum lehrerInnenkampf.
ich arbeite als volksschul- und ahs-lehrerin in wien. ich mag meinen beruf.
1. claudia schmied ist meines erachtens die beste unterrichtsministerin seit sinowatz/kreisky. ist sie auch eine gute sozialdemokratin? wie war das mit „wer hat uns verraten“?
dass wir an der schule was ändern müssen, ja, frau unterrichtsministerin, und zwar sofort.
2. die von frau kollegin schmied vorgeschlagene arbeitszeitverlängerung für alle lehrerInnen ist aus mehreren gründen inakzeptabel.
diese maßnahme stützt eine krise, die IHR gesellschaftssystem verursacht hat.
wir lehrerInnen arbeiten mehr als genug - ich lasse mich gerne einen monat begleiten.
wir als lehrerInnen sind privilegiert (die meisten von uns) und können/müssen es uns schon deswegen leisten, einen arbeitskampf auszutragen - die bereitschaft ist erfreulicherweise sehr hoch.
eine vorreiterrolle zu spielen in einem größeren arbeitskampf aller berufsgruppen stünde uns lehrerInnen gut an.
3. ich und viele andere lehrerInnen, kindergärtnerInnen, jugendbetreuerInnen haben in den letzten jahren - verzweifelt, selbstausbeuterisch - etwas zustande gebracht, was in wien noch als - wenn auch brüchiger - sozialer friede bezeichnet werden kann. wir werden von sämtlichen bürokratischen stellen in der migrationsfrage mehr oder weniger allein gelassen, projektgelder fließen spärlich und hochbürokratisch. im unterrichtsministerium gibt es 1,5 dienstposten für den interkulturellen schulischen bereich, im stadtschulrat für wien gibt es dafür praktisch keine anlaufstelle. der volksschulbereich im ministerium ist nur noch halb besetzt (wegen angehender pensionierung, wie ich weiß) - die ministerin möge sich umschauen.
österreich hat bekanntlich in der schulverwaltung sehr hohe ausgaben, nicht aber bei den lehrerInnen.
der fisch beginnt wo zu stinken?
4. die gewerkschafterInnen ziehen in ungewohnter einigkeit an einem strang. wie lange noch?
wir haben es nicht vergessen, dass die unabhängigen gewerkschafterInnen von der göd noch immer nicht als fraktion anerkannt werden. wir haben es nicht vergessen, dass wir der göd ein katastrophales dienstrecht zu verdanken haben, wir haben es nicht vergessen, dass die göd kein demokratisch organisierter verein ist. wo ist das urabstimmungsrecht? die göd hat mich und meine anliegen bisher nie vertreten. so geht es vielen kollegInnen. dass sie es derzeit tut - "mander (wenn auch alte), zeit wird´s"!
5. zu fordern ist:
- arbeitszeitverkürzung für ALLE lehrerInnen auf 20 wochenstunden (volksschullehrerInnen und aso - lehrerInnen arbeiten mehr als alle anderen - nämlich jetzt schon 22 stunden!!!)
- arbeitszeitverkürzung statt kurzarbeit für alle berufsgruppen. wo sind die gewinne der letzten 20 jahre?
- stärkung statt abschaffung der regionalen vernetzungsstellen der schulen, schrittweise auflösung des stadtschulrats, sodass regionale schwerpunkte zu bestimmten bereichen entstehen können. keine personalhoheit den direktorInnen!
- nachdenkpause und zur-ruhe-kommen der schulen, dieser projektionsfläche der gesellschaft.
denken wir nach! nehmen wir´s in die hand! was brauchen wir wirklich?
heidi unterwurzacher
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